Jaja, wir machen hier was mit...
Wie ich bereits in dem Bericht über mein Projekt ankündigte, hatten wir dort einige Schwierigekeiten.
Nachdem wir 2 Wochen beim Unterricht "zugeschaut" hatten, wurde uns klar, dass es schwierig wird, hier eine Aufgabe zu übernehmen. Auch sonst war vieles sehr unorganisiert und merkwürdig. So hat in der Schule eigentlich nur ein Lehrer gefehlt, der Teacher Lorene ersetzen sollte. Das haben uns die Direktorin und die stellvertretende Direktorin bestätigt. Sie sagten, dass sie bereits einen Lehrer organisiert hätten, der ist aber einfach eine Woche lang nicht erschienen. Ich glaube er hatte sogar schon eine andere Arbeit. Aber naja, kommt in Afrika halt vor!
Daraufhin haben Lisa und ich zusammen uns eine Liste mit Aufgaben geschrieben, die wir übernehmen könnten, wie beispielsweise Förderunterricht oder eine Hausaufgabenbetreuung aufbauen. Doch als wir diese Liste gegenüber der stellvertretenden Direktorin (die erste Direktorin war mal wieder nicht da) erläuterten, saß diese mit einem typisch afrikanischen Lächeln (also schmunzeln) da und meinte, dass wir eher ein Jahr lang hinten im Unterricht sitzen sollten und zugucken. So viel zur Verständigung! Ging voll nach hinten los... Unsere letzte Möglichkeit war noch die richtige Direktorin. Ihr wollten wir unseren Plan noch erläutern.
Doch als Teacher Lorene dann am nächsten Tag erschien, standen wir vor einer ganz anderen Herausforderung! Kein Kind konnte die vollen Schulgebühren zahlen! Und die Kinder, deren Erzeihungsberechtigten noch keine Anzahlung gemacht hatten, wurden daraufhin einzelnd ins Büro gerufen und mussten teils unter Tränen ihre Familiensituation erläutern. Dabei erfuhr ich, dass nur wenige Kinder bei ihren Eltern lebten, in den häufigsten Fällen war eine Elternteil tot und wenn beide verstorben waren lebte das Kind bei nahen Verwandten wie Tante oder Onkel. Das war ein Schock. Daraufhin fielen natürlich die Blicke auf mich (Lisa war gerade zuhause, ihr gings nicht gut): "du bist doch weiß und reich! Schau also mal, dass du Geld auftreiben kannst! Das Problem war, dass sie 6Millionen Uganda Shilling brauchten, jede Menge Geld!(2.000Euro) Ich bin ersteinmal nach Hause zu Lisa und habe ihr alles erklärt. Also hatten wir ab diesem Zeitpunkt eine Aufgabe- Geld organisieren. Gut, dass war jetzt zwar nicht unser Traumjob, aber für die Kinder hätten wir es gerne getan.
Am nächsten Tag in der Schule war gleich die erste Frage "How are you? Do you have money?"
Wir haben der stellvertretenden Direktorin dann erzählt, dass das nicht so einfach gehe, da die deutschen Unternehmen aufgrund der Wirtschaftskrise uns das Geld nicht eben so schnell mal schenken würden. Also hat sie uns gleich ugandische Unternehmen aufgeschrieben, die nur wir Muzungus besuchen sollten, da die Unternehmensleiter nur Weißen zuhören würden. Das fand ich schon ein wenig komisch, aber okay. Lisa und ich haben daraufhin den Vorschlag gemacht, doch lieber ein Konzert ZUSAMMEN zu organisieren, sodass auch mehr Leute auf die Schule aufmerksam werden. Den Vorschlag fand sie gut, aber natürlich war es nur unsere Aufgabe den Kindern außergewöhnliche (deutsche) Lieder beizubringen und einen guten Standort beim westlichen Kaufhaus zu organisieren. Spätestens da war ich schon ein wenig genervt.
Anschließend unterhielten wir uns über die ungewöhnlich hohen Schulgebühren, die unsere Schule erhob. Die stellvertretende Direktorin erklärte uns, dass einzig und allein die Miete der Gebäude so unheimlich hoch seie. Sie erklärte uns, dass man nur mehr Kinder an der Schule bräuchte, dann könne man die Mietgebühren ja durch mehr Leute teilen. Das Problem ist: wie kriegt man mehr Kinder, wenn zwei weitere Privatschulen in unmittelbarer Nähe sind, deren Schulgebühren nur ein Drittel betragen?
Wir fragten also ganz selbstverständlich, was die Schule den Kindern hier mehr biete, damit die Eltern bereit sind das dreifache zu zahlen, obwohl die Familien am Hungertuch nagen? Die Antwort war... dreimal dürft ihr raten: Muzungus.... Da kam mir persönlich die Galle hoch. Ich kann ja verstehen, dass die Leute Hoffnung in uns setzen, aber da hörts auf...Vor allem weil wir ja nichts dauerhaft ändern können, solange nicht das Schulgebäude gewechselt wird. Und diesen Vorschlag hat die Direktorin sofort abgewehrt!
An dem gleichen Tag hatten wir das erste Gespräch mit dem Leo bezüglich den Problemen im Projekt. Er legte uns nahe, das Projekt zu wechseln, da es nicht unsere Aufgabe sei, die Schule zu finanzieren. Zum Glück hatte er sogar ein Ersatzprojekt schon parat.
Also sind wir am nächsten Tag kurz zur Schule, um ihnen mitzuteilen, dass wir heute nicht kommen würden, weil wir ein "Meeting" mit allen Freiwilligen in der Stadt hätten (um Besichtigung des neuen Projekts zu vertuschen). Wir mussten jedoch noch kurz zur Direktorin, die uns unbedingt noch ihren neuen Vorschlag erläutern wollte: einen Muzungu- Zoo! Sie hat es zwar nicht so ausgedrückt, aber ihre Idee war: Lisa und ich gehen zu 10 Schulen und laden mindestens 100Kinder ein, wenn diese kommen sollen sie 1.000 Ush Eintritt zahlen, damit sie einen Nachmittag mit Muzungus verbringen dürfen! (das wären dann gleich 100.000Ush auf einen Schlag!) Ich konnte mich nur noch bedingt beherrschen, und der einzige Satz, den ich noch rausbekommen habe war: Wir müssen jetzt ganz dringend los, das Meeting fängt an!
Die Besichtigung war super und es wurde ausgemacht, dass wir eine Woche Zeit kriegen um uns das neue Projekt genau anzugucken, denn selbst dieser zweite Wechsel war nicht einfach vor dem BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) rechtzufertigen. Also sollte auf keinen Fall noch ein Wechsel folgen...
Aber trotzdem haben wir gleich am nächsten Tag bei der Schule angekündigt, dass wir das Projekt wechseln werden. Dieses Projekt war gestorben! Wir haben den beiden Driketorinnen ganz sachlich erklärt, dass wenn wir Kinder einladen, die Eintritt für uns bezahlen müssen, wir uns besser als diese Kinder stellen würden. Genau dieses Voururteil wollen wir aus moralischen Gründen nicht stärken und das ist auch nicht der Sinn der weltwärts- Programmes. Und ich habe noch hinzugefügt, dass ich mich dabei wie ein Tier fühlen würde, das hat die Direktorin sehr getroffen uns sie hat sich bestimmt eine halbe Stunde lang entschuldigt! So hatte sie mir den Wind aus den Segeln genommen und Lisa hat die Kündinung übernommen. Wir haben ihr gesagt, dass die Bundesregierung schon seit über 10 Jahren mit Nsambyas Babies Home (unser neues Projekt) zusammen arbeitet und dieses Projekt gerade ganz dringend Freiwillige braucht. Und da die Schule, davor noch nicht bei weltwärts anerkannt war, geht das andere Projekt vor (stimmt zwar, war aber hier eher als Ausrede gedacht).
Alles in allem war die Direktorin sehr traurig (ihr standen die Tränen in den Augen), da sie sich sehr schlecht gefühlt hat. Doch leider mussten wir wechseln, da die Zustände in dieser Schule für uns nicht länger haltbar waren.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen