Sonntag, 20. September 2009

Mein Projekt


Wie so vieles in Afrika ist auch unser Projekt ein wenig "komisch", also ganz anders wie man es von Deutschland kennt.
Zum Beispiel erscheint die sogenannte Direktorin nur sporadisch auf Arbeit, das heißt, sie kommt, wenn sie überhaupt kommt, so gegen 9.00h und bleibt dann so maximal bis 12.00h. Doch man braucht nicht glauben, dass in dieser kurzen Zeit dann wirklich gearbeitet wird. Nein! Ich finde sie sehr häufig schlafend auf dem Schreibtisch im Büro wieder. Naja, das ist Afrika (DIA).


Die erste Woche haben Lisa und ich gleich voll und ganz alleine unterrichtet (die Direktorin ist nach Hause oder in die Stadt zum einkaufen gegangen). An unserem ersten Arbeitstag Lorene (die Direktorin) 5Minuten unterrichtet(Silben wie ka, be, ... an die Tafel geschrieben und die Kinder im Chor vorlesen lassen) und uns dann aufgefordert den Unterricht weiterzuführen, doch wir hatten weder Inhalt noch Sinn verstanden und sind deshalb einfach auf Mathe umgestiegen.
Leider waren wir dann nur noch frustrierter, da wir feststellen mussten, dass Kinder im Alter von 8Jahren Probeleme hatten +&- Aufgaben bis 10 zu rechnen. Daraufhin haben wir eine Lehrerin gefragt, ob die Kinder so etwas schon gelernt haben, was die Lehrerin uns bestätigte und sie meinte das Thema sei abgehackt. Also so viel kommt bei Frontalunterricht mit im Chor antworten heraus.
Als wir dann am Freitag den Kindern Mathe- und Englischarbeitsblätter gemacht haben, ist dann alles esklaliert! Sie waren total überfordert etwas alleine zu machen. Lisa und ich mussten daraufhin härter durchgreifen und haben dann drei Jungs, die uns überhaupt nicht ernst nehmen wollen, bestraft, indem ich sie vor eine Wand gestellt habe und sie 10mal das Alphabet aufsagen ließ. Anfangs hat das noch gut funktioniert, doch mitllerweile finden sie auch das lustig. Wir waren nach der Woche echt fertig und haben uns aber gedacht, dass das nur in der ersten Woche so wäre, weil es hier Unstimmigkeiten darüber gab, an welchem Tag die Schule beginnt, am 7. oder am 14. September. Deshalb waren in der ersten Woche noch nicht alle Schüler und Lehrer anwesend.
Nach dieser ersten Woche haben wir dann mir Lorene geredet und ihr versucht zu erklären, dass wir wenigstens die erste Woche nur zuschauen wollen, damit wir die Möglichkeit haben afrikanischen Unterricht kennenzulernen. Am ersten Tag durften wir zugucken, doch da Lorene am zweiten Tag nicht erschien, sollten wir ihre Klassen übernehmen.Ich habe mich, genauso wie Lisa, geweigert. Das haben dann die anderen Lehrer auch eingesehen, doch die Konsequenz war, dass die Klasse den ganzen Tag unbeaufsichtigt war.
Naja das ist hier jedoch oft üblich, da unterricht folgendes heißt:
Eine halbe Stunde die Tafel voll schreiben, während sich die Kinder langweilen. Dann lässt man die Kinder im Chor "vorlesen" (sie lernen die Worte meist auswendig). Daraufhin verlassen die Lehrer den Raum und geben den Kids die Aufgabe das abzuschreiben und 8Aufgaben zu lösen. Das ist eine Beschäftigung für maximal eine Stunde, doch dann heißt es für die Kids bis zur Pause: "Be quiet and stay in classroom!" Das ganze wiederholt sich dann nach der Pause nochmal. In der Zeit, in der die Kinder "beschäftigt" sind, sitzen die Lehrer im Büro und schlafen häufig! Ein Lehrer macht auch Arbeitsablätter, da er 2Klassen gleichzeitig beschäftigen muss.
Als wir dann ein paar Tage zugucken durften, ist uns klar geworden, warum bei uns der Unterricht eskaliert ist: sie hören nur, wenn man einen Stock in der Hand hält oder wenn man sie gleich mir der flachen Hand auf den Rücken schlägt. (In anderen Schulen gibt es schlimmere Methoden.)
Nachmittags werden dann Hausaufgaben von der Tafel abgeschrieben und gesungen, das ist ganz süß.
Schulzeiten: 8.00h-10.00h Pause 11.00h-13.00h Pause 14.00h-16.00h. (Wir müssen zweimal nachmittags kommen)
Obwohl es organisatrische Schwierigkeiten gibt, geben einem die Kinder immer wieder einen Grund weiterzumachen. Die Kids sind super süß und meine anfänglichen Berührungsängste sind komplett verschwunden, da in diesem Projekt wenigstens ein bisschen auf Sauberkeit geachtet wird. (Zähne müssen geputzt sein und die Kleidung steht nicht vor Dreck.)
In der Pause haben wir immer eine Traube von Mädchen um uns herum, die uns anfassen und frisieren wollen, das ist ganz putzig! Die Jungs beachten uns weniger.
Alles in allem, glaube ich, wird es ein anstrengendes Jahr, aber ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit mit den Kindern.
Ich hoffe sie können nach dem Jahr besser Mathe als manch ihrer Lehrer, denn wir haben festgestellt, dass sie sich bei jeder Aufgabe Kringel oder Striche machen und nachtählen, egal ob +/- oder Malaufgaben.


das begegnet uns täglich auf unserem 400meter langem schulweg.

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