Mittwoch:
Die Fahrt ging am Mittwoch, den 25. November nachts um 1.00h, mit zwei weiteren via- Freiwilligen los. Die Fahrt war den Straßen angemessen, wie im vorherigen Bericht schon geschildert. Also sehr holprig, doch zum Glück hat irgendwann die Müdigkeit gewonnen und ich habe die meiste Zeit geschlafen. Es gab einen kurzen Stopp an der Grenze, wo es neben einer Pinkelpause jede Menge Papierkram zu erledigen gab. Danach habe ich wieder geschlafen.
Donnerstag:
Als ich dann aufwache grinst mich schon außerhalb vom Bus eine ruandische Frau an, kaum ausgestiegen lief diese Dame auch schon auf uns zu. Es war die Frau von Monsieur Oscar Rurangwa, die uns abholen sollte.
Wir sind erst einmal mit ihr nach Hause gefahren, wobei wir auf dem Weg dorthin noch diverse Zwischenstopps gemacht haben, also wuchs die Anspannung zum Schluss ins Unermessliche wo wir denn jetzt ankommen würden. Schließlich befanden wir uns vor einem roten Tor, welches durch Hupen von einem Angestellten geöffnet wurde, da waren wir schon ganz baff.
Nach diesem erlebnisreichen Tag ging es dann erst einmal in die Poofe.
Freitag:
Ihr könnt es zwar bestimmt nicht vorstellen, doch am nächsten Tag wurde sogar das Frühstück noch getoppt! mit Nutella und Bananen noch zusätzlich...Dann ging es auf in Innenstadt schließlich wollten wir dort ja nicht nur essen...:P Ich muss sagen, die Innenstadt Kigalis ist sehr schön! es ist dort viel sauberer als in Kampala und die Straßen sind richtig europäisch!
Die Innenstadt liegt auf diesem Hügel
Sehr viele grüne Wiesen, das gibt es nicht in Kampala, vor allem sind diese sauber
Ein ruandisches Kind mit seinem selbstgebasteltem "ferngesteuertem" Auto
Samstag:
Am Samstag Morgen sind wir nach dem besten Frühstück der Welt ins Memorial centre aufgebrochen. Wenn man mal in dem Land ist, muss man sich ja auch mit der Geschichte auseinandersetzen. In dieser Gedenkstätte wird die Entstehung des Völkermordes geschildert und gleichzeitig ist es eine Art Grab, für die Menschen die dabei ums Leben gekommen sind.
Das Memorial Center
Annabelle, Ines und Camilla vor der Gedenkstätte
Die Gartenanlage: einer vieler Brunnen, der die Gesellschaft Ruandas widerspielegeln soll.
Deutschland hatte zuerst Ruanda kolonialisiert, dabei wurde die rassistische Unterteilung des ruandischen Volkes etabliert. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Kolonialmacht den Belgiern übertragen. Belgien unterstützte die Minderheit des Volkes, die Tutsis, somit wurde die Mehrheit des Volkes, die Hutus, unterdrückt. Als jedoch Ruanda seine Unabhängigkeit erklärte (Juli 1962), kam die erste Hutu Regierung durch Wahlen zustande. Diese rächten sich dann an den Tutsis und es kam zu den ersten Diskriminierungen.
Im Jahre 1994 kam der ruandische Präsident Habyarimana durch einen Miltärputsch der extremistischen Hutus(?) ums Leben. Er wurde zusammen mit dem burundischen Präsident im Flugzeug abgeschossen. Diesen Vorfall schob man offiziell den Tutsis in die Schuhe. Also man weiß nicht genau wer es war. Auf jeden Fall begannen ab diesem Vorfall die ersten Massaker. Daraufhin spitzte sich die Lage im Land zu unter anderem durch Landknappheiten und durch die erste Tutsiarmee, die von den ersten geflüchteten Tutsis in Uganda gebildet wurde. Zu diesem Zeitpunkt ist der Völkermord seitens der Regierung schon längst geplant als offizieller Grund galt der Abschuss des Flugzeugs. Die Bevölkerung wurde durch starke rassistische Propaganda via Radio und Zeitung beeinflusst. Von nun an kam es zu den systematischen Massakern, in 3 Monaten wurden um die 800.000 Menschen umgebracht.
Die Bilder von Mitgliedern der Familie Rurangwa, wo wir gewohnt haben, hängen auch in dieser Gendenkstätte. Da die Familie Rurangwa auch Tutsi war, wurden sie genauso diskriminiert. Tutsis durften nicht mehr studieren, aus diesem Grund hat die Familie die ältesten 4-5 Kinder mit ihrem letzen Geld ins Ausland zum Studieren geschickt, somit landete Oscar für 5 Jahre in Belgien (bis ca 1983). Seine (noch nicht Ehe-) Frau war im Kongo untergebracht, wo er nach seinem 5 jährigen Studium ebenfalls wohnte, da die Situation in Ruanda selbst schon untragbar war. Die Familie hat also ihren Anfang im Kongo gefunden, Während ihre jüngeren Familienmitglieder samt ihren Eltern in Ruanda umgebracht wurden. Die Familie der Frau wurde im Haus verbrannt. Die Cousine von Oscar wurde lebendig jedoch bewusstlos unter Leichen begraben, als sie wieder bei Bewusstsein war, fing sie zu singen an, sie wurde gehört und von Zivilisten wieder ausgegraben und gerettet, sie lebt heute noch. Im Jahre 1994 ist die Familie wieder nach Ruanda zurückgekehrt, dabei war ihre erste Tochter 8 Jahre alt, sie kann sich noch an alles erinnern. Die Frau Rurangwa, Rose, wollte nach der Rückkehr und den schlimmen Anblicken sofort wieder aufbrechen, das Land verlassen, weil sie nicht wusste wie sie den Schmerz aushalten sollte. Ihre Kraft fürs alltägliche Leben findet sie bis heute im Glauben. Oscar, ihr Mann, ist erfolgreicher Geschäftsmann und vertritt Siemens.
Nach diesen ganzen Informationen war uns ganz schön mulmig zumute, doch das Hotel des milles collines, ein Luxushotel, haben wir uns noch angeguckt. Dort wurden während der Massaker Tutsis versteckt (es war damals auch schon ein Luxushotel), der Manager war wohl eine wichtige Person und konnte gut verhandeln, sodass die meisten Tutsis dieses Gebäude lebendig verlassen haben. Als wir dieses Hotel besichtigt haben, war gerade eine holländische Ausstellung, doch wir wollten nur noch nach Hause essen und schlafen.
Die belgische Ausstellung
Amanda, Ines, Camilla
Camilla und Oscar
Philip, Kevin und Annabelle
Annabelle beim Autofahren
Amanda, Annabelle, Kevin, dahinter Philip, Camilla und ich
Ines und ich
Sonntag:
Wir sind am Sonntag um 7.00h aufgestanden um eine Kirche in Nyamata zu besichtigen. In dieser Kirche fand 1994 auch ein Massaker statt, diese Kirche wurde seitdem größten Teils nicht verändert. Doch für so einen erlebnisreichen Tag musste erst einmal eine gute Grundlage her: ein Frühstück mit Salami, Bierschinken, Leberwurst. Paprika Lyoner und Honig! (wie Weihnachten und Geburtstag zusammen in Afrika)
Annabelle beim Frühstück
Jaja, über was man sich in Afrika so freuen kann
Der Eingang
Das entdeckten wir in der Kirche
Diese Information fanden wir in der Kirche
Camilla, Charles, der Überlebende und ich
Diese Kirche war ein Zufluchtsort um die 7.000, die verfolgt wurden (die meisten davon waren Tutsis) in der Hoffnung sie wären dort sicher, da dass ja ein Gotteshaus sei. Aufgrund dieser großen Anzahl von Menschen, passten nicht alle in die Kirche, die weiteren Menschen verteilten sich um das Kirchengebäude herum auf die Rasenfläche. Da sich die Leute tagelang dort versteckten, gab es schon lange nicht mehr genug zu essen, sodass die meisten draußen neben den Hungertoten das Gras wie die Kühe gefressen haben. Natürlich gab es auch keine Toilette oder sonstiges, den Geruch möchte ich mir nicht vorstellen....Das Folgende leider auch nicht!: Als die Hutus kamen hat man sie schon von weitem gehört, da sie ihren Marsch mit Trommeln und Gesängen begleiteten, dabei sangen sie Lieder wie: "Jetzt bringen wir die Kakerlaken um!" An der Kirche angekommen, waren die Tutsis erst einmal verwirrt, da dass Militär ebenfalls anwesend war. Manche hatten die Hoffnung dieses würde ihnen helfen, doch dem war leider nicht so! Die Tutsis wurden von Hutus und Militär umzingelt, als das Militär den Befehl gab: "Es soll beginnen!" Zuerst wurden die Menschen außerhalb der Kirche umgebracht. Dabei hat man die Leute meistens sehr schmerzvoll getötet, das heißt einfach Körperteile abgetrennt und sie daraufhin verbluten lassen. Man konnte auch Geld bezahlen, hat uns der Überlebende erzählt, damit man schmerzfrei umgebracht wird, doch wenn man dies gemacht hat, wussten die Hutus, dass man Angst vorm Tod hat und man wurde noch schmerzvoller umgebracht, das Geld hat sie in diesem Moment nicht interessiert, denn wenn sie tot waren, konnten sie sich das Geld einfach nehmen. Das Massaker außerhalb der Kirche soll über 6 Stunden gedauert haben, wobei die Leute in der Kirche zugucken mussten. Als der Kapitän der Hutus den Tutsis in der Kirche befahl, das Tor zu öffnen, weigert diese sich natürlich. Daraufhin hat der Kapitän geschrien: "Jetzt zeige ich euch wie man die Kakerlaken umbringt!" Dabei schoss er wild um sich, die Einschusslöcher sind heute noch zu sehen.
Eine weitere aufgebrochene Tür, die zum Nebenraum führt
Der blutüberströmte Altar
Die Werkzeuge, die man benutzt hat um den schwangeren Frauen die Bäuche aufzuschneiden
In dem eingebrochenen Stück Steimauer lag der Kopf des Überlebenden
Die Hutus wussten jedoch, dass dies ein begehrter Ort war sich zu verstecken und somit kamen die Hutus jeden Tag und haben die Sümpfe mit Speeren abgestochert. Von den 13 Überlebenden sterben weitere 5, sodass 8 Menschen auf Essenssuche vom Militär gerettet werden.
In dieser Kirche wurde die Leichenteile zu Massengräbern zusammengetragen, doch man sieht von Massengräbern, Kleidungsüberresten, Einschusslöchern, Blut, Waffen bis zu aufgebrochenen Türen alles. Im Nachhinein wurde ein kleines Kellergewölbe in die Kirche gebaut. Darin liegen diverse Totenköpfe, Identitätsausweise, etc. Außerdem sieht man einen Sarg, in dem eine Leiche einer sehr hübsche Tutsi Frau liegen soll, die damals angeblich sehr begehrt war, doch sie wollte sich nicht mit den Hutus einlassen, sondern heiratete einen Tutsi. Somit war sie während des Genozids ein sehr begehrtes Opfer um leiden zu lassen. Das heißt nach mehrfachem Missbrauch, wurde ihr ein Speer von der Scheide bis in den Nacken gerammt und ein zweiter Speer durch die Brust, der auch ihr Kind auf dem Rücken getötet hat. Da diese Leiche sehr gut erhalten ist, soll dieser Sarg lange Zeit geöffnet gewesen sein, doch weil Touristen bei dem Anblick psychische Schocks erlitten haben, hat man sich dazu entschlossen ihn zu schließen, doch an manchen Tagen wird er noch einmal geöffnet. Als wir diese Kirche besichtigt haben, war der Sarg zu und ich war sehr glücklich darüber.
Der Identitätsausweis, die Gruppen, denen man nicht angehört hatte, wurden durchgestrichen
Der Sarg der hübschen Tutsi Frau
Nach der Kirche direkt haben wir die Massengräber besichtigt, die sich auf dem Kirchengelände befinden.Knochenberge
Ich persönlich war von dieser Geschichte sehr getroffen und einfach nur geschockt zu was ein Mensch fähig sein kann. Doch im Nachhinein würde ich auf jeden Fall sagen, dass es sich gelohnt hat den Überlebenden zu treffen. Es ist einfach unbeschreiblich jemanden gegenüberzustehen, der so etwas erlebt hat. Außerdem hat für mich somit die Geschichte ein Gesicht gekriegt. Das Schlimmste an der Geschichte Ruandas für mich war jedoch, nach diesem Wissen durch die Straßen zu laufen und den Menschen in die Gesichter zugucken und sich dabei zu fragen: Täter oder Opfer? und genauso fragt man sich wie viele Leichen lagen vielleicht in diesem Straßengraben vor 15 Jahren? Ich meine, da war ich schon auf der Welt.
Als wir an diesem Tag nach Hause kamen, waren wir völlig ausgelaugt! Nach dem Mittagessen ging es erst einmal sich ausruhen! Nach diesem Erlebnis erschien es uns ganz angemessen eine afrikanische Messe zu besichtigen. Die Kirche dauert in Ruanda 2 Stunden, davon wird die erste Stunde lang nur gesungen, dabei steht eine richtige Band auf der Bühne von Schlagzeug bis E-Gitarre war es alles dabei und dazu wurden englische Lieder gesungen, die wie auch anders auf Gott bezogen waren. In der zweiten Stunde erfolgte die Messe an sich, das heißt es gab 2 Priester, einer der auf französisch gepredigt hat, der andere hat auf Kinyarwanda übersetzt. Es war ein sehr tolles Erlebnis, doch die Details, muss ich sagen, sind ein wenig an mir vorbeigegangen, da meine Übersetzerin gegen die Lautstärke der Prediger ankommen musste. Danach fühlte ich mich wie einer Hirnwäsche unterzogen und wie nach einem richtigen Konzert, hatte die folgende Stunde einen Tinitus. Zur Erholung haben wir dann erst einmal etwas zu Abend gegessen: es gab richtig grünen europäischen Eisbergsalat! Schinken und Ei usw. gab es dazu!
Camilla und Annabelle
Montag:An diesem Morgen haben wir alles ganz langsam angehen lassen, also Camilla und ich, denn Annabelle hatte an diesem Tag die "Tortour ihres Lebens" vor sich, sie hatte sich entschlossen Rastas flechten zu lassen und das dauerte am Ende um die 10h! Ich kann euch sagen, sie war am Ende vielleicht entnervt. Aber ok, Camilla und ich haben uns einen schönen Tag in der Stadt gemacht und mussten dabei leider feststellen, dass es keinen einzigen Visa Bankautomaten in der ganzen Hauptstadt Ruandas gab! Man muss extra zum Schalter gehen (und das kann man auch nur bei zwei Banken des Landes), bei der einen zahlt man 3% von dem was man abhebt, bei der anderen Bank zahlt man immer 20 Euro. Also ist das eine teure Angelegenheit.
Dienstag:
Am Dienstag Morgen haben Camilla und Annabelle ihre Rundreise wieder aufgenommen, dass hieß für mich Verabschiedung. *schnief* .
Unser Abschiedsphoto:
Ich, Amanda, Camilla, Rose, Annabelle und Bruno
Am Abend hatte ich mit dem ältesten Sohn noch eine sehr interessante Diskussion über den Glauben in Afrika und in Deutschland. Es war anstrengend, aber er hatte gute Einwände sich die Bibel doch mal zu Gemüte zu führen. Das kann ich jetzt auch ohne weiteres machen, da er mir eine Bibel zum Abschied geschenkt hat und ich glaube ich bin jetzt zum ersten Mal richtig bewusst in meinem Leben im Besitz einer Bibel. (neben der Konfirmation natürlich)
Mittwoch:
Am Mittwoch Morgen habe ich um 9.00h meine Rückreise angetreten. Die Fahrt war sehr schrecklich, da ich tagsüber gefahren bin und somit zu den schlechten Straßenverhältnissen auch noch die Hitze kam. Aber zum Glück saß die meiste Zeit keiner neben mir, sodass ich wenigstens meine Beine ausstrecken konnte.:P
Am Abend kam ich gegen 21h völlig entnervt am Busbahnhof an. Da wir in der Vorweihnachtszeit von der deutschen Botschaft aus keine Bodas (Motorrad Taxis) mehr nehmen sollten, habe ich einen Einheimischen gefragt, ob er mich abholt. Das hat auch reibungslos funktioniert. Als ich dann daheim ankam, also in Uganda zu Hause, wurde ich ganz herzlich empfangen und wir haben gleich das frisch gebackene Bauernbrot mit Salami und Lyoner vertilgt, das hatte ich aus dem deutschen Supermarkt! Alle haben sich sehr darüber gefreut. Ende gut, Alles gut.
















































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